Über fotografische Herausforderungen, Kreativität und Inspiration (Testbericht Olympus OM-D E-M1)

Seit einiger Zeit suche ich neue Herausforderungen beim Fotografieren. Der Grund: Mir ist ein wenig die Fantasie abhanden gekommen, technische Details langweilen mich zusehends.
Es ist ja nicht so, dass ich wesentlich mehr als gerade die Basics vom Fotografieren verstehe, ich habe aber auch nicht wirklich Interesse daran. Ich weiß zum Beispiel, welche Einstellungen sinnvoll bei der Nachtfotografie sind, aber mich dann beim Festival of Lights hinzustellen und die drei Rädchen für Blende, Belichtungszeit und ISO korrekt einzustellen bringt mir nicht wirklich den Kick. Und es ist leider auch nicht so, dass es bei den Motiven soooo viel Raum für Kreativität gäbe.

Aufgenommen mit meiner Emma, der Canon 600D, f8, ISO 100, 30 Sek.

Aber auch sonst suche ich gerade eher nach Kreativität als nach technischer Perfektion.

Über Gimmicks, Sternenfotografie & Timelapse


Was das Technische angeht, bleibt natürlich immer ewig viel Raum nach oben, nehmen wir die Sternenfotografie als Beispiel: Von der Kamera- und Objektivklasse einmal abgesehen gibt es viele Möglichkeiten, Fotos aufzunehmen und z.B. hinterher miteinander zu verbinden, Gunther Wegner hat zwei sehr hübsche Videos online gestellt, wie man das machen kann. Wollte ich immer mal ausprobieren, war mir aber irgendwie zu aufwändig. Bisher habe ich mit Emma, meiner Canon 600D, mit einfachen Einstellungen ein paar hübsche Sterne fotografiert. Es wäre schön, das besser hinzubekommen, ohne elendig Geld ausgeben zu müssen oder stundenlang Bilder zu stacken.
Gleiches mit Timelapse: Timelapse-Videos sind ultracool, mich aber hinzustellen und mit verschiedenen Geräten herumzuhandtieren und hinterher das Ganze mit einer Software zusammenzubasteln - mir fehlt da irgendwie die Geduld, vor allem, weil andere das einfach viel besser können und das tollere Equipment haben. Als Gimmick wäre es eben nett - ich hätte z.B. noch zig lustige gifs aus dem Schweden-Urlaub im Angebot - wenn ich die denn nicht noch alle basteln müsste.

Aber hey, wenn man schonmal angestachelt wird... ich hab mal die Gelegenheit genutzt, Euch eines unserer Quatsch-gifs aus Schweden zu basteln (womit sich die Kids halt so beschäftigen...):

Hexenkinder! Zum nochmal Sehen einfach Browser refreshen.


Sensorgröße, Händchengröße und was will ich eigentlich?


Natürlich stehe ich auf knackscharfe Details, aber bin ich wirklich bereit, ultra viel Geld dafür auszugeben, wenn solche Sachen im Normalabzug 10x15 oder im Pendant auf dem Computer kaum zu sehen sind? Und vor allem: Meine Hände sind klein, sie sind teilweise schon mit einer 600D leicht überfordert, eine größere Kamera kommt tatsächlich für mich nicht in Frage, große Objektive sind für mich anstrengend.
Das war auch einer der der ursprünglichen Gründe, weshalb ich mich bei den Systemkameras umgesehen habe und auf die Olympus gekommen bin (weitere Gründe habe ich schon einmal *hier* zusammengefasst). Na klar, eine Vollformat-Systemkamera wie die Leica wäre schon genial, ist aber aus finanziellen Gründen für mich völlig irrelevant. Und ist der Unterschied eines Micro Fourthird-Sensors einer Olympus zu einem CMOS-Sensor relevant für meine tägliche Fotografie? Ich glaube nicht.


Die Olympus OM-D E-M1


Nach meiner Testphase habe ich jetzt länger überlegt, bin mit meiner analogen Lomokamera rumgelaufen (kreativ sein, gell), habe ein paar Spaziergänge mit der Emma unternommen.
Was soll ich groß sagen? Ich bin sehr verknallt in die Oly. Einen Fakten-Testbericht erspare ich mir und Euch hier, es finden sich viele gute Testberichte online. Ich möchte aus meiner ganz persönlichen und nur basistechnischen Perspektive berichten, was sie mir brachte und was eben nicht.

Olympus E-M1 versus Olympus E-M10 und Stichwort Straßenfotografie


Zur Zeit werde ich mir die Olympus OM-D E-M1* nicht leisten können, überlege aber, auf den schönen Handgriff und das spritzwassergeschützte Gehäuse zu verzichten und mir die kleinere E-M10 anzuschaffen. Spritzwasser, sprich Nässe und auch Kälte, die meine Canon regelmäßig ihren Dienst versagen lassen (ich muss dann ständig den Akku raus und wieder reintun), sind für mich wesentliche Kriterien, weshalb ich mich grundsätzlich für die E-M1 entscheiden würde. Meine Hoffnung auf weitere eisige Reisegefilde ist ja schließlich hoch, und da nützt mir eine Kamera wenig, die ab unter 5 Grad regelmäßig streikt.

Die Olympus E-M10* hat diese Eigenschaften leider nicht, allerdings ist sie kleiner und damit noch unauffälliger als die E-M1, ein Vorteil, der gerade bei der Straßenfotografie in Afrika wesentlich sein könnte, und die Überlegungen für Equipment in Südafrika waren ja der Anstoß meiner Überlegungen. Zu oft habe ich mich mit der Canon unwohl gefühlt; in meiner kleinen Hand wirkt sie nochmal doppelt so klobig, das passt einfach nicht auf die Straße. Menschen fühlen sich ertappt, die Kamera stiert sie geradezu an. Emma und Straßenfotografie funktionieren einfach nicht für mich, und hier steht Straßenfotografie stellvertretend für meinen spontanen und kreativen Umgang mit Fotografie.

 Schnappschüsse zulassen, die die Welt in ihrer Unperfektheit wiedergeben. Die Schatten dort lassen, wo sie sind, und nicht alles ins rechte Licht rücken, das möchte ich mit meinen Bildern, denn ich möchte die Welt nicht immer schön formen, ich möchte sie auch einfach zeigen, wie ich sie sehe, und das ist nicht immer hübsch und meist ohne Glanzlack und häufig auch chaotisch und manchmal auch gerade deswegen schön.

Intuitive Bedienung im manuellen Modus


Die E-M1 ist jetzt schon seit zwei Wochen wieder weg und so blöde es klingt: Ich vermisse sie. Sie war für mich intuitiv zu bedienen, ich bin im manuellen Modus ganz großartig klargekommen, und auch wenn der digitale Sucher gewöhnungsbedürftig ist funktionierte ein Bild irgendwie schneller.
Frustrierendes Erlebnis nach dem Test: Beim Spaziergang mit Emma gelang mir das Belichten überhaupt nicht; der Versuch, einen Herbstmorgen im Grunewald abzulichten endete mit über- und unterbelichteten Fotos. Entweder war Emma stinkend beleidigt oder meine Hände wollten die Oly wieder oder das Canon-Objektiv hat einen Knall, ich weiß es immer noch nicht. Und ich hatte bis jetzt keine Lust herauszufinden, woran es denn lag und mich erneut mit den verschiedenen Lichtmessungsmodi auseinanderzusetzen.


Nachtfotografie, Stabilizer, live composite Modus und Timelapse


Zu den Themen, die ich oben angesprochen habe: Die Oly kann mit einem "live composite Modus" in der neuen Software (in der E-M10 erstaunlicherweise schon länger enthalten) bereits in der Kamera das, was ich an der Canon mit umständlichen Einstellungen und Gefrickel hinterher mit einer Fremdsoftware machen kann: Mehrere Bilder zusammenstacken (und die Extreme herausrechnen, damit das Bild eben weder zu dunkel noch zu hell wird). Ergebnisse kann man ergoogeln - perfekt für Sternenfotografie oder Nachtaufnahmen. Leider konnte ich den Modus nicht testen, weil nicht die richtige Software drauf war.
Was auch noch für Nachtfotografie attraktiv ist: Der Stabilizer! Fotos mit 1/20stel aus der Hand sind überhaupt kein Problem, bei ruhigen Händen oder mit einem Geländer sind Fotos mit 1/5tel möglich, ich konnte es kaum glauben. Da hat sich wohl allgemein im letzten Jahr sehr viel getan und das ist kein Vergleich zu einer mehrere Jahre alten Canon.

Aus der Hand geschossen: 0,5 Sek bei ISO 4000. Sowohl Rauschverhalten wie Stabilisierung sind für mich erstaunlich für diese kleine Systemkamera. Das Bild ist etwas aufgehellt.

Das ist natürlich total klasse und weniger lichtstarke Objektive zu günstigen Preisen werden dadurch attraktiv.
Hier eines meiner Lieblingsbilder, was ich in einer Nachtaktion am KuDamm geschossen habe, allerdings mit Stativ. Und ja, ich war ziemlich froh über den Spritzwasserschutz, es hat so gegossen, da hätte ich mich mit Emma nicht hinstellen können.

Die Gedächtniskirche bei Nacht

Die Oly hat noch ein weiteres schönes Schmankerl: Sie baut kleine Timelapse-Videos. Das ist sicher nichts für ernsthafte Timelapser, denn die Einstellungsmöglichkeiten halten sich in Grenzen, für mich jedoch absolut ausreichend und das wäre tatsächlich ein Grund mehr, mir diese Kamera zuzulegen. Keine Frmedsoftware, kein umständliches Gefrickel, einfach einstellen und ab dafür, das Video wird schon in der Kamera zusammengesetzt, ist fix auf dem Rechner und hochgeladen. Wow.

video

Handhabung und Abbildungsleistung


So richtig kann ich nicht mehr sagen als: Sie hat mich inspiriert. Das „Knipsen“ hat mir wieder Spaß gemacht, der Fokus ist extrem schnell, die JPGs kommen in der Bearbeitung schon wunderschön aus der Kamera (die Bilder vom Darß haben mich da total begeistert) und das Bokeh des neuen M.Zuiko 12-40 f2.8* ist einfach großartig.


Fokussiert exakt mit wunderschönem Bokeh: Das M.Zuiko f2,8 12-40.
Schnell fokussiert: Dass Hunde auch selten dämlich sein können, bewies uns dieses Exemplar, das zwei Tage lang die Wellen lautstark anbellte und versuchte, hineinzubeißen - und immer wieder das Salzwasser auskotzen musste. Ohmann...

Manko beim Zuiko: Furchtbar hässliche bunte Lensflares. Ich stehe ja sonst auf Lensflares und benutze daher praktisch nie eine Streulichtblende, aber warum die hier aussehen wie bunte kleine Ufos konnte ich bisher noch nicht herausfinden und habe das bisher auch immer nur bei Systemkameras festgestellt.

Wunderbares Bild, übrigens als JPG so aus der Cam. Enzig die hässlichen Lensflares...

Davon aber abgesehen liebe ich den Look der Fotos, das ist vermutlich, was mit diesem „typischen Olympus-Look“ immer beschrieben wird.

Einzig im Telebereich musste ich hier Abstriche machen: Auf 1:1-Ansicht wirken die Konturen etwas matschig, ich nehme an, hier macht sich der kleinere Sensor bemerkbar. Allerdings ist das auf ziemlich hohem Niveau gemosert und war bei kleinerer Brennweite nicht der Fall. Da ich wenig Vergleichsmöglichkeiten habe, kann ich hier keine generellen Aussagen treffen, würde derzeit aber bei Natur- und Tierfotografie die Canon mit meinem Lieblingsobjektiv der Oly vorziehen.

1:1-Ansicht. Die unscharfen Federn sind natürlich meiner etwas zu langsamen Belichtung geschuldet. Die Abbildungsleistung erkennt man besser an den Schnäbeln (ich fand die Federn dennoch schön ;).

Die größere Schärfentiefe aufgrund des kleineren Sensors ist mir im 12-40er Bereich nicht aufgefallen, auf direkt Vergleiche und Tests mit der Emma habe ich aber verzichtet.

Die verschiedenen Spiel-Modi habe ich ausprobiert, sind aber nichts für mich, ob Monochrom oder mit Blümchen, fies gesagt. Ausnahme ist hier der Doppelbelichtungsmodus: Ausgerechnet einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich mir die Lomo-Kamera angeschafft habe, kann die Oly nun auch noch bedienen. Das mag für viele lächerliches Spielzeug sein, ich finde die Möglichkeiten von Doppelbelichtungen großartig.
 
Doppelbelichtungen sind mit der Oly möglich - und ich liebe dieses Bild!

Mein Fazit:


Hätte/würde/könnte ich, ich würde sie sofort nehmen, die Olympus OM-D E-M1. Als Kamera, die immer dabei ist, mit der ich sowohl qualitätsmäßig tolle Aufnahmen hinbekomme wie Schnappschüsse auf der Straße machen kann, einfach, weil sie dazu einlädt. Sie deckt außerdem einen Großteil meiner Bedürfnisse ab und hält verschiedene Gimmicks bereit, um Neues auszuprobieren. Die Objektivauswahl ist riesig, denn es können sämtliche Four-third und Micro Four-thirds verwendet werden und generell kann man meiner Ansicht nach nicht mehr davon sprechen, dass Spiegelreflexkameras grundsätzlich Systemkameras überlegen sind. Wer wie ich viel unterwegs ist, ist vor allem auch mit dem eingesparten Gewicht gut beraten.

Wovon ich nicht ganz überzeugt bin, ist der Telebereich, den ich allerdings auch nur mit einem sehr einfachen Objektiv testen konnte. Olympus hält derzeit auch (noch) kein Tele bereit, was es mit dem 12-40er M.Zuiko aufnehmen kann, im Dezember soll ein 40-300er f2,8 herauskommen. Ich bin sehr gespannt.
Aufgrund dessen bleibt die Emma immer noch mein Mittel der Wahl, um in Südafrika die Naturfotografie abzudecken. Da die Olympus E-M1 als Zweitkamera allerdings mein Budget übersteigt, ist hier die kleinere E-M10 überlegenswert, um den Rest der Reise, insbesondere "auf der Straße" abzudecken, weil sie sich für Schnapschüsse viel mehr eignet als die Canon und außerdem viel unauffälliger ist.

Jetzt hoffe ich also auf einen Geistesblitz, der mich endlich entscheiden lässt, ob und wenn ja welche Kamera ich mir für die Straßenfotografie zulegen soll, Südafrika ist immerhin nur noch einen Monat hin!

Mehr Beispielbilder gibt es in meinem Facebook-Album:





Die Olympus OM-D E-M1 wurde mir netterweise von Olympus zum 10-tägigen Test zur Verfügung gestellt. 

* Amazon-Partnerlink: Wenn Ihr das Schätzchen über meine Seite bestellt, bekomme ich ein bisschen Provision, der Preis ist für Euch der Gleiche. Wenn Ihr nicht wollt, dass Amazon weiß, auf welchen Seiten Ihr Euch rumtreibt, solltet Ihr diesen Link nicht verwenden. 

Labels: